Aus der Chronik Gerichshain!

Die Besiedlung Gerichshains nach Erhart Kundisch
aufgeschrieben von Klaus Eilenberg

Die geografische Lage Grichshains kann man es nicht mehr zum Wurzener Land rechnen, denn es liegt jenseits der zwischen Machern und Gerichshain verlaufenden Wasserscheide.
Hier beginnt also schon das Leipziger Land.
Es ist nicht leicht, viel aus der Geschichte des Dorfes zu berichten, denn die Unterlagen sind bei einem Großfeuer des Pfarrhauses Ende des 18. Jahrhunderts verbrannt und damit recht spärlich. Mit Sicherheit ist anzunehmen, dass es als Straßenangerdorf in der Zeit der Eroberung und Besiedlung des ehemals von Slawen besiedelten Landes von Deutschen gegründet wurde. Bei der Teilung des Frankenreiches im Jahr 870 verlief die deutsche Ostgrenze entlang der Elbe und Saale. 928 drangen deutsche Ritter in das slawische Gebiet östlich der Saale, um es zu erobern. Sie errichteten befestigte Plätze, sog. Burgwarde, von denen aus sie das Land beherrschten. Leipzig, Taucha, Püchau, Nerchau waren solche Stützpunkte.
Unser Land gehörte damals zur Mark Merseburg, die bis über die Mulde reichte. Mit Beginn des 12. Jahrhunderts, nachdem das slawische Gebiet militärisch erobert worden war und die deutschen Feudalherren ihre Vormachtstellung gegenüber den Slawen gefestigt hatten, wurden aus Franken, Thüringen und den niederrheinischen Gebieten (Flamen) deutsche Bauern zur Besiedlung des eroberten Gebietes herangeholt. Die sorbischen Einwohner wurden immer weiter zurückgedrängt. Damals war die Gegend um Gerichshain noch größtenteils von Wald umgeben, welcher sich bis weit nach Süden (Rochlitz, Borna) zog.
Als die ersten Siedler hier ankamen—der Hauptstrom kam zu Ende des 12. Jahrhunderts —fanden sie in unmittelbarer Nähe der neuen Siedlungen bereits ein slawisches Dorf vor. Es war das Dorf „Olswicz" (Oelzschau) das in der Nähe des Steingartenteiches (Steingassenteich) gelegen hat. Allein an seinem Namen sehen wir, dass es ein Slawendorf gewesen ist. In alten Urkunden wird es 1378 als „Olschkow" genannt. Im Jahr 1496 lesen wir im Amtsregister: „Die Oltzscher Mark" grenzt an die „Kunßdorfer Mark". Im Jahr 1497 wird auch „Kunßdorf" als „ein wüste Dorf" bezeichnet.
Beide Dörfer, Ölzschau und Cunnersdorf verfielen also schon sehr zeitig und wurden sog. „Wüsten Marken".
Im Jahr 1497 wird auch die Dresenmark als „ein Holtzs margk" bezeugt. Einige Jahre früher, zwischen 1378 und 1390 muss auch das Dorf Wehrbruch eingegangen sein, dessen Fluren später zu Zweenfurth kamen, denn 1390 lesen wir von einem „velde des wusten dorffis Birgbruch".
Mitten in einem Kranz von Dörfern, von denen die meisten wahrscheinlich bereits vorhanden gewesen sind (slawische Gründungen), entstand nun das neue Kolonistendorf (Gerichshain). Der Ortsname selbst dürfte die Ableitung eines Personennamens sein. Wahrscheinlich hat der Ort seinen Namen von dem Meißner Bischof Gerung. Im Lehnbuch von 1350 wird der Ortsname „Gerungishain" geschrieben. Später lesen wir „Geryngishain".
In späteren Jahren fielen immer mehr Wälder den Äxten zum Opfer, und Felder traten an ihre Stelle. Die in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts rasch ansteigende Bevölkerung der nahen Stadt Leipzig benötigte zu ihrer Versorgung immer mehr landwirtschaftliche Produkte. Der Rückgang des Waldbestandes hat sich bis in unsere Jahre fortgesetzt.
So sind in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts der östlich des Pehritzscher Weges liegende Streifen des Tresenwaldes sowie der südliche Zipfel der sog. „preußischen Spitze" verschwunden.

Erstbenennung Gerichshain
von Klaus Eilenberg
Seit der Erstbenennung unseres Ortes im Lehnbuch der Markgrafen, aus dem Hause Wettin in Meißen, sind 658 Jahre vergangen.
Gerichshain ist als Straßenangerdorf angelegt worden. Sein erstgenannter Name „Gerungishain" führt laut Aufzeichnungen auf den Bischof Gerung von Meißen zurück.
Es ist bekannt, das Bischof Gerung - der unter anderen auch Geringswalde gründen ließ - in den Jahren 1152 bis 1170 (seinem Todesjahr) als leitender Kleriker des Bistums Meißen tätig war.
In den nachfolgenden Registern des Lehnbuches des Markgrafen fand der erstgenannte Ortsname ständige Veränderung durch Sprache und Schrift.
Orte, die auf Rodeland entstanden, erhielten in ihren Namen die Endung -hain, z. B. Ammelshain, Altenhain, Albrechtshain, Erdmannshain, Fuchshain u. a.
Im „Vollständigen Staats-, Post- und Zeitungslexikon von August Schumann, 3. Band, Zwickau 1816, Seite 100" ist folgendes über die Historie von Gerichshain geschrieben: Gerichshayn, fälschlich Görichshain genannt, Dorf in dem Leipziger Kreise, in dem Erbamt Grimma, auf der Straße von Leipzig nach Wurzen, zwischen Parthe und Mulde, 3 Stunden östlich von Leipzig gelegen. Gero und Gerung waren im Mittelalter sehr gewöhnliche Namen und einer dieser Namen mag wohl der Gründer des Dorfes seyn. Es gehört schriftsässig zum Rittergut Brandis, und besteht aus 62 Häusern. Unter den Einwohnern sind 52 Gutsbesitzer und 10 Häusler.
Gerichshayn war in früheren Zeiten ein Leipziger Amtsdorf. Bis es Herzog Georg von Sachsen im Jahr 1512 seinem Hofmeister dem Ritter Rudolf von Bünan auf Brandis, nebst den Erbgerichten auf den Wüstungen Oeltzschau, Konsdorf, Mark Drehsa und allen Gerechtsamen für 575 Gulden verkaufte.
In die dasige Kirche ist das Dorf oder vielmehr Vorwerk Posthausen eingepfarrt.
Des Weiteren erfahren wir aus alten Schriftstücken, dass Gerichshain 1551, 1696 und 1764 bezeugt, zu der Grundherrschaft des Rittergutes Brandis gehörte, dazu die Wüstungen Oeltzsche, Konsdorf, Mark Drehsa und Wehrbruch mit allen Gerechtsamen. Zur kirchlichen und schulischen Organisation ist zu bemerken: Vor der Reformation (um 1539) war Gerichshain Filialkirche von Brandis bis 1930. Seit 1932 ist unsere Gemeinde Filialkirche von Borsdorf. Der Ortsteil Posthausen (Vorwerk vom Rittergut Brandis seit 1551), ist seit 1752 in die Kirchgemeinde Gerichshain eingepfarrt. In der letzten Vergangenheit, nach dem 2. Weltkrieg, war die kirchliche Organisation entsprechend der politischen Situation z. Z. der DDR recht wechselhaft, meist aber mit Borsdorf verbunden. Heute besteht diese Verbindung wieder.
Der Ort bestand bzw. besteht noch aus vorwiegend Bauernhöfen fränkisch-flämischer Bauart, d. h. Dreiseit- oder Vierseithöfe. Die damaligen Häusler errichteten Eindachbauten. Die Hauptbaustoffe waren Holzfachwerk mit Lehm ausgesetzt und Strohdach.
Später dann folgten Bruchstein- und Ziegelbauten mit oder ohne Außenputz, sowie Satteldächer mit Ziegelabdeckung.
Ab 1880 erfolgte die Anlegung der heutigen Kirchstraße und damit ein südlicher Zugang zum Friedhof. Danach entstanden die ersten Altbauhäuser auf dem Feld des Bauern Süßkind (ehem. Gut Nr.16). Damit begann die Veränderung des reinen Bauerndorfes zum Wohn- und Lebensraum für Einwohner die vom Heimatort zum Arbeitsplatz wechseln.
An der Brandiser Straße, südlich der Bahn, hat das Rittergut Brandis im gleichen Zeitraum ein Feldstück zur Einrichtung von Gartengrundstücken verkauft. Dort entstanden die jetzigen Wege: Flieder-, Rosen- und DahlienwegDie Altbauten an der Brandiser Straße sind nach deren Neubau um 1891 entstanden.
Die Bau- und Wohnverhältnisse bedurften fortwährend einer Veränderung und Erweiterung. Die 1. modernen Bürgerhäuser entstanden um 1900 am Dorfausgang nach Machern hinter dem Oberdorfteich. 1933 -35 kam wieder eine Veränderung im Baustil des Ortes.
Der Siedlungsbau Neu Oeltzsche begann und wurde 1936 -1937 beendet.

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Daten zu Gerichshain