Posthausen
von Klaus Eilenberg und Herbert Bunk
Posthausen ist erstmalig 1378 im Lehnbuch des Markgrafen „Friedrich", des Strengen, als Basthus oder Basthusen unter R.D. M.M. Blatt 746 S. 170 genannt. Die weitere Entwicklung des heutigen Namens unterlag unter den damaligen Bedingungen des Schriftverkehrs ( wenige waren des Schreibens kundig) etlichen Veränderungen.
Das Grundwort - hausen ist wohl als Mehrzahl aufzufassen. Es besteht auch die Möglichkeit, dass es sich um einen,wahrscheinlich übertragenen, Insassennamen handelt. Denn mitteldeutsch bedeutet „-hus" Haus (vergleiche Kluge - Götz 305 Lexer 1 - 1399 ff.). Das -n kann freilich auch sekundär angetreten sein.
Der Ortsname hat sich unter gutsherrlichem Einfluß entwickelt. An Stelle des wüsten Ortes wurde später eine Schäferei um 1500 und danach ein Vorwerk errichtet. 1518 erhielt der Rittet Rudolf von Bünau den Lehnbrief über Brandis u. a. Orte. Dazu das Schloss und „Stetlein" Brandis einschließlich des Geleits (Straßensteuer) „zu Brandiß und Basthausen bis gen Banitzsch auf den steinwegk" und mehrere Dörfer neben der Kemmerey u.a. wüsten Dörfern „Basthausen, Ölsche und Bergkbruch" bei Zweenfurth, auch die Dörfer „Beichaw und Gerißhain" (Prof. Schröder).
Von 1838 bis 31.10.1852 hielten in Posthausen Güterzüge mit Personenbeförderung.
Die Besitzerin des Rittergutes war 1856 Freifrau Ernestine von Pentz geb. Schirmer. Sie setzte 1858 ihren Neffen Baron Ernst von Pentz als Bewirtschafter und Erbe ein.
Um 1860 begann der Neuaufbau des Vorwerks wie ein stattlicher neu gebauter Bauernhof, bestehend aus einem enorm großen Wohnhaus mit anschließendem Rinderstall und dreistöckigen Lagerböden.
Die weitere wachsende Wirtschaftlichkeit des Vorwerkes Posthausen erfolgte unter der Leitung des Barons Ernst v. Pentz, ein Neffe der Freifrau. Der Bau des großen Wirtschaftshofes stand im Vordergrund, um Feldwirtschaft und Tierhaltung zu steigern. Später kam noch eine Brennerei und 6 Arbeiterwohnungen dazu. Des Weiteren entstanden die zweitgrößte Scheune Sachsens und ein sehr tiefer Brunnen. Dieser hauptsächlich zur Versorgung der Brennerei. Für die Viehwirtschaft kamen für Rinder und Schweine 2 Ställe dazu. Am Stall an der Westseite des Gutes noch die Verwalterwohnung sowie ein dreistöckiger Getreidelagerboden über dem Stallgebäude.
Mit neuen fortschrittlichen Ideen und Tun intensivierte der Baron durch Abschaffung der Dreifelderwirtschaft (Getreide-Getreide-Brache) zur Fruchtfolge und regelmäßiges biologisches Düngen (Stalldung und Guanostickstoffdünger) die 200 ha Felder und Wiesen, die zur Gemarkung Gerichshain gehören.
Die Zahl der Einwohner stieg damals rasch. Danach, um 1882 machte sich eine geplante Verlegung des Kommunikationsweges Posthausen-Brandis erforderlich für die Schaffung des Haltepunktes der Bahn in Gerichshain 1893. Für die neue Straße Gerichshain-Brandis stellte der Baron v. Pentz das Land zur Verfügung. Zur Verbesserung der Wohnverhältnisse seiner Landarbeiter errichtete er 1888 ein ganz neues städtisch aussehendes Mietshaus.
1891 verlagerte die Leipziger Dünger-Export-Gesellschaft ihre Fäkalienlagerung- und Verteilung an die Bahn Posthausen mit Zustimmung des Rittergutes Brandis. Für den Pumpenwart kam noch ein Wohnhausneubau dazu. Bis zum ersten Weltkrieg war Posthausen immer wie ein Taubenschlag im Kommen und Gehen der Rittergutsarbeiter.
1924 kam Posthausen zu Gerichshain. Um 1930 kaufte Rittmeister Busse das Rittergut Brandis mit dem Vorwerk Posthausen. Die Wirtschaftlichkeit kam wieder in Schwung.
Nach dem 2. Weltkrieg brachte die Bodenreform 1945 ein Ende des Rittergutes Brandis mit dem Vorwerk Posthausen. Ein recht ansehnliches Rittergut wurde aufgeteilt.
Als im Jahr 1952 die 2. Parteikonferenz der SED stattfand wurde der Aufbau des Sozialismus festgelegt. Am 1.9.1952 kam es zur Gründung der LPG Typ I „Albert Kuntz" Posthausen als erste LPG im Kreis Wurzen. Aus dieser Entwicklung kam es im Laufe der Zeit mit viel politischen Druck 1960 zu der geplanten Kollektivierung. Für Posthausen war 1958 geplant ein Schweine- und Rinderkombinat zu bauen. Es entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Standort der Schweineproduktion mit großer Mühle zur Futterherstellung und zwar mit etlichen Vor- und Nachteilen für den Ort und ihren Einwohnern.
Die politische Wende 1989 leitete die Auflösung der LPG- en ein. Danach standen die Produktionsstätten leer. In den letzten 10 -12 Jahren hat Posthausen ein neues Gesicht erhalten. Etliche Gebäude wurden neu errichtet.
von Klaus Eilenberg und Herbert Bunk